Als VEG im Iran

DruckversionPDF version
Flagge

Ein veganes Restaurant im Iran! Mitte Dezember wurde es in den Bergen ausserhalb von Teheran eröffnet. Eine halbe Stunde fährt man über kurvige Strassen, und schon steht man vor dem Restaurant «Bid e Majnoon». 

Der Name bedeutet «ein Baum, dessen Zweige sich zu Boden neigen». In der Sufimystik sei das ein vertrauliches Symbol für einen Liebenden. Nicht nur für einen Verliebten, der sein Gegenüber vor anderen bevorzugt, sondern auch für jemanden, der sich zu aller Kreatur hinneigt und sie liebt.

Ali und Mahoube in ihrem veganen Restaurant im Iran

Jeden Mittag und Abend werden von drei Köchen feinste Präparationen zubereitet. Auswählen kann man von einer Karte mit über 25 Gerichten à la carte. Nur schon dieser Geheimtipp ist eine Reise in dieses Land wert.

Werbung für Vegetarismus ist verboten

Im Iran sind die konservativen Mullahs, die ein religiös gefärbtes Machtregime darstellen, der Idee des Vegetarismus gegenüber sehr skeptisch eingestellt. Es ist verboten, öffentlich dafür zu werben, da sie denken, der Vegetarismus verstösse gegen den Koran. «Sapere aude»1scheint noch nicht zu ihnen hingedrungen zu sein …

Pioniere der veganen Bewegung im Iran

Ali und Mahboube sind beide schon seit über 10 Jahren Veganer. Um die im Iran grossteils unbekannte Lebenshaltung des Vegetarismus ein wenig in die Öffentlichkeit auszustrahlen, haben sie deshalb ein veganes Restaurant eröffnet.

Das Restaurant ist äusserlich nicht als ein vegetarisches gekennzeichnet. Die Gäste stammen nicht aus einer alternativen Szene, sondern sind alles Menschen, die zum Teil noch nie gehört hatten, dass man sich vegetarisch überhaupt ernähren könne. Die Mahlzeiten begeistern natürlich von selber. Ganz sanft führen Ali und Mahboube die Gäste in die Grundhaltung und das Lebensgefühl des Vegetarismus ein. Jeder Gast bekommt mit der Mahlzeit auf einem separaten Teller noch geistige Nahrung – ein kleiner Zettel mit präzis formulierten Gedanken zu Tierrecht, Mitgeschöpflichkeit, die Tiere mitbeinhaltet, und zur Würde aller Wesen.

Eine Vision für den Iran

Damit weiterführendes Informationsmaterial zur Verfügung steht, haben sie und Freunde den Film «Earthlings» mit grossem Aufwand sowie auch einige vegane Kochbücher ins Farsi übersetzt.

Für Ali und Mahboube ist dieses Restaurant nicht primär ein Ort, um Geld zu verdienen und ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, sondern primär ein Ort, ihre Vision einer veganen Menschheit vorzuleben und sie so auch ausstrahlen zu lassen.

Es ist eine kleine Oase der Hoffnung … an vielen Ecken dieser Erde arbeiten aufrichtige Menschen, die erdrückende Gleichgültigkeit der Erdenbürger Tieren gegenüber zu revidieren.

Krishna Chandra

Fussnoten:
  1. Sapere aude ist lateinisch und bedeutet in etwa «Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!»
Weitere Infos:

Bid e Majnoon Restaurant 
Fereshte alley Isargaran bolvard 
imam khomeini Bolvard 
Lavasan Shemiran (Teheran)
IranTel. 0098 21 2655 00 77