Fische

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Der häufigste Grund, weshalb sogar tierliebende Beinahe-Vegetarier noch Fisch konsumieren ist, weil sie sich Sorgen um ihre Gesundheit machen. Ernährungsexperten wiederholen gebetsmühlenartig die Notwendigkeit des Fischkonsums, um allfällige Mangelerscheinungen zu vermeiden. Doch dieser Ratschlag ist nicht nur veraltet, sondern zudem verheerend. Denn die Fischzucht ist schon längst zu einer Grossindustrie angewachsen, mit den selben Folgen für Mensch, Tier und Umwelt wie die Massentierhaltung an Land.

Aquakulturen als Alternative zu Wildfang

Im Jahr 2006 wurden weltweit über 144 Millionen Tonnen Meerestiere aus dem Wasser gefischt. Davon waren 110 Millionen Tonnen für den menschlichen Verzehr bestimmt.1
Doch mittlerweile zeigt sich, dass die Ozeane erschöpft sind und längst nicht mehr das hergeben können, was die Fischer sich eigentlich wünschen. Durch die Aufklärung durch Umweltverbände und Medien werden ausserdem immer mehr Leuten die dramatischen Auswirkungen im Zusammenhang mit der Überfischung der Weltmeere deutlich und sie suchen nach Alternativen. Eine davon ist, Fische und andere Meerestiere, wie zum Beispiel Garnelen, in extra dafür separierten Wasserreservaten – sogenannten Fischfarmen oder Aquakulturen – zu züchten, damit sich auf diese Weise der Bestand in den Meeren wieder erholen kann. Etwa ein Drittel des weltweit konsumierten Fisches stammt aus diesen Farmen.

Die Züchter lobten anfangs die angeblich so nachhaltige und zukunftsweisende Züchtung, doch in der Zwischenzeit stellt sich heraus, dass Aquakulturen nicht die erhoffte Lösung für das Problem der Überfischung sind – im Gegenteil: Viele Fische sind keine Vegetarier und müssen deshalb wiederum mit Fischen (in Form von Fischöl, -mehl oder -pellets) gefüttert werden. Durchschnittlich müssen Fische, damit sie damit sie ein Kilo an Gewicht zulegen, ungefähr das Vierfache an Nahrung zu sich nehmen.2 Dafür verwendet man dann solche Fische, die dem Menschen nicht schmecken, und fördert auf diese Weise die Jagd auf Fischarten, die bisher noch von der Überfischung verschont geblieben sind. Rund ein Drittel der auf dem Globus gefangenen Fische wird zu Futter für die Zuchtfische verarbeitet. Zuchtfarmen verschärfen also das Problem der Überfischung eher, als dass sie es lösen. Denn diese bisher für den menschlichen Verzehr uninteressanten Fisch- und Meerestierarten bilden ihrerseits die Nahrung für grössere Fische, denen nun das Futter vom Menschen sozusagen vor der Nase weggeschnappt wird. Die Folge davon: Auch diese Fischbestände brechen zusammen.

Lebensräume werden zerstört

So wie bei der Rinderzucht ein Teil des Regenwalds abgeholzt wird, um auf diese Weise Weideflächen für die Tiere zu schaffen, so werden für die Fisch- und Garnelenfarmen Hunderttausende Hektar Mangrovenwald unwiederbringlich zerstört. Diese ökologisch wertvollen Brackwassergebiete sind der Lebensraum von zahlreichen Fisch-, Vogel- und anderen Tierarten, die dabei getötet, vertrieben oder von ihren Familien getrennt werden. Die Mangrovenwälder bilden aber nicht nur ein Schutzgebiet für viele Tiere, sondern die dicht bewachsenen Wälder dienen auch den Menschen als Schutz oder zur Abschwächung von Naturkatastrophen wie zum Beispiel Tsunamis.3

Wasserverschmutzung durch Fäkalien

Auch das Gülleproblem lässt sich auf die heutige Fischzucht übertragen: Eine acht Hektar grosse US-Lachsfarm produziert so viel organischen Abfall wie eine Stadt mit 10'000 Einwohnern! Diese organischen Abfälle verursachen in grossen Mengen eine explosionsartige Ausbreitung der Algen, die dem Wasser den Sauerstoff entziehen, den Fischen und anderen Organismen somit die Luft abdrehen. Das betroffene Gewässer kippt um, alles Leben darin stirbt.

Schlachtmethoden

Die Tötungsmethoden von im Wasser lebenden Tieren sind um nichts besser als diejenigen der Schlachttiere. Die allermeisten Meerestiere sterben einen langsamen qualvollen Tod durch Ersticken an der Luft (den anderen, die an einem Angelhaken aufgespiesst aus dem Wasser gerissen werden, ergeht es nicht besser). Über vorherige Betäubung, wie es bei Schlachttieren üblich ist, wird bei Meerestieren noch nicht einmal diskutiert. Sollten wir kein Mitgefühl für Fische empfinden, bloss weil wir unfähig sind, ihre Schreie zu hören?

Giftstoffe in Fisch und Meeren

Auch hier hat die Fischindustrie mit denselben Problemen zu kämpfen wie die Massentierhaltung im Allgemeinen. Weil zu viele Tiere auf zu engem Raum gehalten werden, ist es bei der industriellen Zucht unvermeidlich, dem Futter der Tiere Medikamente und/oder Antibiotika beizumischen. Auf diese Weise versuchen die Züchter Krankheiten einzudämmen. Mehr noch als bei pflanzenfressenden «Nutztieren» häufen (kumulieren) sich beim Fisch die zugeführten Giftstoffe, weil er auch andere Meerestiere verzehrt, die ebenfalls schon belastet sind. Mit jeder zusätzlichen Stufe der Nahrungskette werden auch die Giftstoffe weiter konzentriert.
Die Rückstände dieser Medikamente werden teils ausgeschieden und belasten das Ökosystem der Meere. Bei Stichproben stossen unabhängige Labors aber immer wieder auf Rückstände von Antibiotika im Fleisch der Fische und Garnelen. Trotz der Verabreichung von Medikamenten sind die Tiere immer wieder von Krankheiten befallen. Zuchtfische, die aus den Käfigen in das offene Meer fliehen können, breiten die Krankheiten aber auch auf ihre frei lebenden Artgenossen aus und dezimieren so den Wildbestand.

Künstliche Gesundheit

Wildlachse legen normalerweise Tausende Kilometer zurück. Die Haltung in den Käfigen der Zuchtfarmen ist so unnatürlich, dass auch ihr Fleisch dadurch nicht mehr rosa erscheinen würde (wie es die Konsumenten gewohnt sind), deshalb werden dem Futter meist künstliche Farbstoffe zugefügt. Die Futterpillen der Lachszüchter beinhalten z.B. neben Vitaminen und Mineralstoffen auch synthetische Farbstoffe (die in den USA verboten sind), um das «Zuchtgrau» zu verhindern, und machen damit das Fleisch der Fische so rosa wie das der freilebenden Fische. Durch die Massentierhaltung in den Käfigen wird auch die Inzucht begünstigt, was die Ausbreitung von Krankheiten und genetischen Schäden fördert. Die Züchter unternahmen, bisher vergebens, grosse Anstrengungen, um einen Lachs zu züchten, der sich auch auf engstem Raum wohl fühlt bzw. sein angeborenes Revierverhalten zu unterdrücken vermag.

Wie noch vor einigen Jahren beim Fleisch wird den Konsumenten nun beim Fisch vorgegaukelt, dass es sich dabei um ein gesundes und lebensnotwendiges Nahrungsmittel handelt. Bei genauerer Betrachtung bietet aber der Fischkonsum weder gesundheitliche noch ökologische Vorteile. Vielmehr entsprechen die Probleme bei der industriellen Fischzucht jeder anderen Form der Massentierhaltung – auch hier wird ein Lebewesen wider seinem natürlichen Verhalten gefangen gehalten und für den menschlichen Verzehr gemästet und getötet.

Laut dem Bericht «The State of World Fisheries and Aquaculture 2006» der UN-Welternährungsorganisation (FAO) zum Fischfang, der im März 2007 veröffentlicht wurde, sind 52% der Meeresfisch-Bestände so intensiv befischt, dass eine Steigerung nicht mehr möglich ist, 16% überfischt und 7% waren erschöpft. Gerade mal 1% der Bestände befand sich im Zustand der Erholung, nachdem sie vorher bis zur Erschöpfung befischt wurden.

Bernadette Raschle

Fussnoten:
  1. FAO: The State of World – Fisheries and Aquaculture 2008
  2. Wikipedia, Aquakultur
    Man darf sich nicht täuschen lassen durch den offiziellen Futterquotienten der besagt, dass mit 1 Kilogramm Futter 1 Kilo Fisch erzeugt wird.  Denn da wird trockenes Futter mit nassem Fisch verglichen. Das Gewicht des Fisches ist inkl. Wasser, das Trockenfutter selbst ist aber von 80 bis 90 % Wasseranteil der Fische befreit, sodass das Verhältnis am Schluss um einiges höher ist.
    Wikipedia/Teichwirtschaft, fair-fish
  3. http://news.bbc.co.uk/2/hi/science/nature/7385315.stm
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